Er ließ mir die alte Nähmaschine wie einen Hohn zurück. Ein Jahr später brachte sie mehr ein als sein Gehalt…
Nach zwölf Jahren Ehe ließ mir Daniel nach der Scheidung drei Töpfe, die Fußmatte vor der Tür und eine alte Nähmaschine.
Am lächerlichsten war die Nähmaschine.
Sie stand im Flur, schwer und schwarz, mit einem gusseisernen Untergestell und tiefen Kratzern im Metall. An der Seite war eine Nummer eingeritzt: 8074. Sie sah aus wie etwas, das man nicht aus sentimentalen Gründen behält, sondern weil es zu schwer ist, es zum Sperrmüll zu tragen.
Die Maschine hatte seiner Großmutter gehört, Oma Erna. Sie hatte seit den sechziger Jahren darauf genäht. Sie ölte sie regelmäßig, deckte sie mit einem Tuch ab und sagte immer, so eine Maschine halte länger als viele Ehen.
Damals lachten wir darüber.
Oma Erna mochte mich nie besonders. Sie sagte nie direkt etwas Böses, aber sie hatte diese Art, mit einem Satz kleine Wunden zu hinterlassen.
— Früher konnten Frauen noch nähen, kochen und einen Mann halten, sagte sie einmal.
Nach ihrem Tod nahm Daniel aus ihrer Wohnung ein paar Ikonen, alte Fotos und diese Nähmaschine mit. Die Fotos behielt er. Die Maschine ließ er bei mir.
— Die ist von Oma, sagte er, als er den letzten Karton hinaustrug. — Ich brauche sie nicht.
Er nahm die Waschmaschine, den Fernseher, den Kühlschrank, sogar das Bügeleisen. Alles zog mit ihm zu seiner neuen Freundin, der sechsundzwanzigjährigen Lena, Verkäuferin in einer Parfümerie, mit der er seit über einem Jahr zusammen war.
Mir blieben drei Töpfe und eine fremde alte Maschine.
Zum Glück gehörte die Wohnung mir. Ich hatte sie von meiner Tante geerbt. Sie lag nahe an den Bahngleisen am Rand von Leipzig. Nachts zitterten die Wände leicht, wenn Güterzüge vorbeifuhren, und das Besteck im Abtropfgestell klirrte leise. Als Daniel noch da war, fiel mir das kaum auf. Danach hörte ich jeden Wagen.
Ich war nie eine Frau, die tagelang weinen konnte. Ich hatte früh gearbeitet und gelernt, dass das Leben selten wartet, bis man bereit ist.
Als die Tür hinter Daniel ins Schloss fiel, stand ich eine Weile im Flur. Dann sah ich die Maschine an und sagte:
— Na gut, Katharina. Dann eben weiter.
Ich räumte die Töpfe ein.
Die Nähmaschine schob ich hinter den Schrank, deckte sie mit einem alten Laken zu und vergaß sie fast.
Vier Monate lang.
Nach der Scheidung arbeitete ich weiter in der Verpackungsabteilung einer kleinen Fabrik. Nachtschichten, Wochenenden, Vertretungen. Früher hatte Daniel wenigstens manchmal Nudeln gekocht oder die Wäsche aufgehängt. Jetzt kam ich nach Hause, aß Brot mit Käse, schlief ein paar Stunden und ging wieder los.
Eines Nachts nickte ich fast an der Maschine in der Fabrik ein.
Nur eine Sekunde. Es passierte nichts. Aber die Angst saß mir danach so tief in den Knochen, dass ich am nächsten Morgen kündigte.
Der Vorarbeiter nickte nur.
— Sie sehen aus, als würden Sie umfallen, Frau Berger.
Danach wurde die Wohnung sehr still.
Ich hörte den Wasserhahn tropfen. Schritte im Treppenhaus. Züge. Gedanken.
Meine Ersparnisse würden zwei Monate reichen, vielleicht drei. Ich meldete mich arbeitslos, rechnete jede Ausgabe durch und stand morgens am Fenster, um die Züge zu zählen. Es war sinnlos, aber es gab den Tagen eine Reihenfolge.
Dann rief meine Schulfreundin Anne an.
— Katha, bitte hilf mir. Meine Katze hat die Gardinen zerfetzt. Die Änderungsschneiderei will viel zu viel Geld. Du hast doch eine Nähmaschine, oder?
Ich wollte sagen: Nein, ich habe keine Nähmaschine. Ich habe ein Denkmal für meine Demütigung.
Stattdessen hörte ich mich sagen:
— Bring sie vorbei. Ich versuche es.
Am Abend zog ich die Maschine hinter dem Schrank hervor. Das Laken war gelblich geworden. Der schwarze Körper war staubig. Ich wischte sie sauber, fand Öl, drehte vorsichtig am Rad. Erst ging es schwer. Dann leichter.
Tak-tak-tak.
Der Klang erfüllte die Küche.
Und plötzlich erinnerte ich mich an meine Großmutter Marta. Ich war zehn, als sie mir auf einer ähnlichen Maschine zeigte, wie man gerade Nähte setzt.
— Zieh nicht am Stoff, sagte sie. — Lass ihn gehen. Du führst nur.
Ich reparierte Annes Gardinen. Langsam, mit krummen Schultern und klopfendem Herzen. Als sie sie am nächsten Tag aufhängte, rief sie begeistert an.
— Die sehen besser aus als vorher. Ich gebe dir fünfzig Euro.
Fünfzig Euro.
Für einen Abend an einer Maschine, die niemand gewollt hatte.
Anne erzählte es weiter. Eine Kollegin brachte Hosen. Eine Nachbarin Bettwäsche. Jemand wollte Kissenbezüge. Dann eine Kommunionkleidung angepasst. Ich arbeitete am Küchentisch. Die Maschine stand am Fenster, und wenn Züge vorbeifuhren, vibrierte sie leise mit.
Im ersten Monat verdiente ich die Hälfte meines früheren Lohns.
Im zweiten fast genauso viel.
Ich kaufte Garn, Scheren, eine Lampe. Ich erstellte eine kleine Seite: „Katharina näht und ändert“. Anne machte ein Foto von mir an der Maschine. Ich sah müde aus, aber nicht besiegt.
Das war neu.
Bald nähte ich Stofftaschen, Vorhänge, Schürzen. Eine Boutique fragte, ob ich Änderungen übernehmen könnte. Ein kleines Café bestellte Tischläufer. Ich sagte öfter ja, als ich mich traute. Und mit jedem Auftrag wurde die Angst kleiner.
Ein Jahr später verdiente ich mehr als Daniel in seinem Job als Wachmann.
Natürlich erfuhr er davon.
Er rief an einem Freitagabend an.
— Katha, ich habe gehört, du hast jetzt ein richtiges kleines Geschäft.
— Eine Werkstatt.
— Schön. Freut mich.
Es klang nicht nach Freude. Es klang nach Staunen darüber, dass ich ohne ihn nicht kleiner geworden war.
— Vielleicht könnten wir uns mal treffen? Reden?
— Worüber?
— Über uns. Über früher. Über Fehler.
Ich sah zur alten Maschine.
— Fehler ist, wenn man den falschen Zug nimmt. Eine Affäre über ein Jahr ist kein Fehler. Das ist ein zweites Leben.
Er schwieg.
— Diese Nähmaschine, begann er dann. — Die war ja eigentlich aus meiner Familie.
Da musste ich lächeln.
— Jetzt fällt dir das ein?
— Ich meine nur, sie ist ein Andenken.
— Du hast sie hiergelassen wie Schrott.
— So war das nicht gemeint.
— Doch. Genau so.
Wieder Stille.
— Sie bringt jetzt Geld, nicht wahr? fragte ich.
Keine Antwort.
— Daniel, du bekommst sie nicht zurück. Nicht, weil sie mir als Rache dient. Sondern weil du sie weggegeben hast, als du dachtest, sie sei wertlos. Mit mir hast du dasselbe versucht.
Ich legte auf.
Heute heißt meine kleine Schneiderei „8074“. Sie liegt nahe am Bahnhof. Wenn Züge vorbeifahren, klirren manchmal die Garnrollen im Regal. Ich mag dieses Geräusch.
Kunden fragen oft, was die Zahl bedeutet.
Ich sage:
— Das war die Nummer der Maschine, mit der alles begann.
Manchmal streiche ich über den alten schwarzen Lack. Ich habe inzwischen moderne Maschinen. Schnellere. Leisere. Teurere. Aber keine klingt wie diese.
Diese Maschine klingt wie ein Beweis.
Dass etwas, das jemand dir aus Spott zurücklässt, zum Werkzeug deiner Freiheit werden kann.
